Kaufsucht besiegt: Das Schlafzimmer mit Wasserbett neu einrichten

Nach einer therapierten Kaufsucht haben die betroffenen Menschen oft lange Jahre an ihren Schulden zu knabbern. Sie können kaum überleben, denn die eidesstattliche Versicherung, die wahrscheinlich schon lange abgegeben ist, wird das Leben deutlich beeinflussen. Wer kaufsüchtig war, hat vielleicht auch den Halt im Leben vorübergehend völlig verloren. Die Beziehung muss gerettet werden oder ist sogar beendet, der Chef wollte keinen völlig überschuldeten Mitarbeiter mehr haben und auch die Wohnung, für die die Miete nicht mehr aufgebracht werden konnte, ist längst an neue Mieter vergeben. Nach einer stationären Therapie haben die kaufsüchtigen Menschen Hilfe, seitens der Therapeuten und eventuell von Sozialarbeitern, die sich der ins Trudeln geratenen Menschen annehmen. Die Patienten einer ambulanten Therapie haben es hier schwerer, da sie nicht kontrolliert werden, in wie weit sie wieder rückfällig geworden sind.

Wie äußert sich Kaufsucht?

Ein kaufsüchtiger Mensch kauft nicht um der Artikel willen, sondern wegen der Selbstbestätigung, die aber nur kurze Zeit anhält. Man belohnt sich selbst für erlittene Verletzungen, zum Beispiel in einer Beziehung oder für Probleme, die man anderweitig zu erdulden hat. Zunächst hält das Glücksgefühl beim Kaufen eine Zeitlang an, doch dann verkürzen sich die Abstände. Immer gedankenloser wird gekauft. Sicher ist es keine schlechte Idee, sich ein Wasserbett zu bestellen. Das Bett wird vom Kaufsüchtigen aber nicht deswegen gekauft, weil er eine tolle neue Schlafzimmereinrichtung besorgen will, oder weil er neuerdings seine Rückenprobleme erfolgreich behandeln möchte. Er kauft das Bett – und einen Schrank und eine Kommode und eine neue Lampe – einfach um des Kaufens willen. Zunächst werden die Ersparnisse verbraucht, dann überzieht man den Dispokredit. Dieses Limit ist bald ausgeschöpft. Nun aber will die Kaufsucht weiter befriedigt werden. Also werden Ratenkäufe abgeschlossen. Betrachtet man die wahnwitzige Kaufwut eines Kranken, so finden sich etliche Artikel in den Kartons und Tüten, die niemand wirklich gebrauchen kann. Zu kleine oder zu große Kleidung, ein Lerncomputer für noch gar nicht geborene Kinder, Schuhe, die nicht passen oder andere unnütze Dinge häufen sich an. Daneben liegen bestellte Waren, die nicht einmal geöffnet wurden, denn die Befriedigung des Süchtigen erfolgt nur durch den Kauf an sich, nicht durch den Besitz oder das Herzeigen der neuen Waren. Im Gegenteil: Oft verstecken die Kaufsüchtigen ihre Errungenschaften vor dem Partner oder vor Besuchern, Arbeitskollegen und Freunden.

Teufelskreis Kaufsucht

Ein Teufelskreis beginnt: Die Kaufsucht führt automatisch in den finanziellen Ruin. Freundschaften zerbrechen an nicht zurück gezahlten Schulden, der Gerichtsvollzieher steht vor der Tür, Mahnbescheide und Betrugsanzeigen flattern ins Haus. Für jedes dieser Stresserlebnisse, die das eigene Versagen vor Augen führen, landet der Süchtige wieder in einem Online Shop und schließt weitere Geschäfte auf Kredit ab. Unseriöse Kreditangebote mit horrenden Zinsen werden abgeschlossen und die Falle schnappt zu. Erst jetzt kommen die betroffenen Patienten in professionelle Hilfe, oft über den Weg zu einer Schuldenberatung. Die Sucht nach Anerkennung und Liebe, die fatale Idee, durch Einkaufen sich selbst ein Wertgefühl zu verleihen: All das führt in desaströse finanzielle Verhältnisse – Endstation Privatinsolvenz. Sorgen und Schuldgefühle sind tägliche Begleiter.

Nach der Therapie

Nach der Therapie muss zunächst eine neue Lebensgrundlage geschaffen werden. Die behandelten Patienten haben es neu gelernt, mit Geld umzugehen, bewusst einzukaufen und vorher konkret zu überlegen, welches Geld sie ausgeben müssen beziehungsweise können. Wird nun ein Schlafzimmer eingerichtet, ist das Wasserbett vielleicht nicht mehr im Budget enthalten – es sei denn, die Leute sparen einige Zeit jeden übrigen Cent. Stattdessen wird nun, wie in jedem „normalen“ Haushalt gerechnet, was möglich ist und was nicht. Die Gefahr, bei der kleinsten persönlichen Verletzung, zum Beispiel einen gewalttätigen oder betrügerischen Lebenspartner oder auch Mobbing am Arbeitsplatz wieder rückfällig zu werden, ist sehr hoch. Mittlerweile ist der Schutz des Verbrauchers etwas höher. Bereits ab einer frühen Stufe im Mahnverfahren werden Einträge in Auskunfteien gemacht, ein weiterer Einkauf durch bereits verschuldete Menschen wird damit verhindert.

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