Vom Beginn einer Sucht bis zu ihrer Bewältigung

Eine Sucht kann ein an sich perfektes Leben schnell zerstören. Da war eben noch eine gute, stabile Beziehung, doch der Alkohol hat aus dem einen Partner ein Wrack gemacht, nur noch seiner Sucht frönend und kaum noch in der Lage, auch nur über etwas mit klarem Kopf nachzudenken. Das nächste Fallbeispiel ist ein Manager, einst erfolgreich und mit einer Bilderbuch Karriere. Medikamente halfen ihm zunächst, sich gegen die jüngere Konkurrenz durchzusetzen; heute ist er gefangen im Kreislauf von Aufputschmitteln und Beruhigungsmedikamenten und nahe am völligen Absturz – sowohl privat, wie auch beruflich. Ähnlich schlimm ist es jedoch, wenn sich schon Jugendliche von Alkohol oder Drogen nicht fernhalten können. Die Eltern sind hier in der Bredouille, eigentlich das Beste für ihren Nachwuchs zu wollen, jedoch ihre Wünsche nicht durchsetzen zu können. Nicht selten ist aber gerade der Druck im Elternhaus der Auslöser der Sucht. Da ist es nicht der einzige Lösungsweg, die Kinder durch eine Detektei wieder aus der Drogenszene zu holen: Hilfe und ein gemeinsamer, neuer Lebensweg sind nun ebenso wichtig, wie die Bekämpfung der Ursachen, die überhaupt erst zur Sucht geführt haben.

Der Weg in die Sucht

Für jede Sucht gibt es auch einen Auslöser. Dieser kann in der Jugend, zum Beispiel in einem sehr strengen oder auch sehr gleichgültigen Elternhaus liegen. Ein Unterschied, ob nun eher reiche oder arme Menschen einer Suchterkrankung unterliegen, ist kaum feststellbar: Der Sohn aus reichem Ärztehaus kommt mit den Leistungsansprüchen der Eltern vielleicht ebenso wenig klar, wie das Mädchen aus der Hartz IV Familie, das von Kindheit an tun konnte, was es wollte und das Elend im Viertel und im eigenen Leben mit Wodka-Flaschen bekämpft. Schlimme Erlebnisse sind ebenfalls Gründe, die Suchtverhalten begünstigen. Die Reisesucht, der zwanghafte Wunsch, ja nicht zu Hause bleiben zu müssen, kann darin begründet liegen, dass der Betroffene einfach schlimme Erlebnisse in einer Ehe oder mit den Eltern gemacht hat. Jeder Cent, jeder freie Tag: Alles wird in eine Reise investiert. Das ganze Leben ist eine Flucht und die Reiserücktrittsversicherung wird wohl selten in Anspruch genommen.

Am „einfachsten“ ist der Weg in den Alkoholismus zu gehen. Die späteren Alkoholiker haben irgendwann das Maß aller Dinge verloren. Vielleicht ist es ein Problem, das „hinuntergespült“ werden soll, eventuell aber auch einfach zu häufiges Feiern, bei dem der Alkohol in Strömen fließt. Bis die Gefahr erkannt wird, ist die Sucht schon omnipräsent. Eine Zeitlang verstecken die Süchtigen ihre Alkoholvorräte noch, doch das Ende des familiären Friedens, einer beruflichen Laufbahn und somit des Lebensglücks sind absehbar. Der Alkoholismus begleitet einen Süchtigen übrigens ein ganzes Leben: Einmal „trocken“, muss auch beim tollsten Fest, beim lustigsten BBQ Abend in der Nachbarschaft das Thema Alkohol ein Tabu bleiben. Der Weg zurück in die Sucht ist das Damoklesschwert, das immer über dem eigenen Leben steht.

Alleine den Weg aus der Sucht finden?

Man sagt, ein Süchtiger muss zunächst ganz unten im Leben angekommen sein, bevor er erkennt, dass er etwas gegen seine Erkrankung tun muss. Alle Hilfe, die die Familie und die Freunde dem Betroffenen zukommen lassen, ist oft umsonst. Beziehungen zerbrechen, die Kinder leiden unter der Situation. Der Job ist weg, die finanzielle Not gerade durch die Sucht, die eine Menge Geld kostet, sehr groß. Es fehlt ein Aha-Erlebnis, um aus der Sucht herauskommen zu können. Erst dann gehen die Kranken den längst fälligen Weg in eine Entziehungsklinik oder suchen sich professionelle Hilfe bei Beratungsstellen. Hier sind dann die Scherben zu kitten, die das Leben mit der Sucht hinterlassen hat. Dazu gehören unter anderem auch die Folgen von Beschaffungskriminalität, die nicht selten die Sucht finanziert.

Die Patienten in Entzugskliniken stehen in einem hohen Prozentsatz vor dem finanziellen Aus und müssen erst einmal sehen, wie sie ihr Leben neu auf die Reihe bekommen. Das Geld für die neue Kücheneinrichtung, nach der Entlassung aus der Klinik, ist dabei schon ein fortgeschrittenes Thema, denn erst einmal geht es um die Grundsicherung, also Essen, Trinken und Kleidung. Welcher Chef aber stellt einen Menschen mit Suchtvergangenheit ein, vor allem direkt nach der Therapie, wenn die Rückfallgefahr am höchsten ist und vielleicht sogar laufende Bewährungsstrafen ein Thema sind?

Damit ist aber höchstens der erste Schritt getan, denn nun wartet eine schwierige Zeit, in der die Sucht aus dem Leben verbannt werden, zugleich aber eine neue Perspektive gefunden werden muss. Viel Zeit des Tages, die bisher mit der Beschaffung der Suchtmittel, dem Ausleben der Sucht und mit dem Dahindümpeln in psychisch angeschlagenen Situationen verging, muss nun neu ausgefüllt werden. Sicher wird mancher Suchtkranke seine Sucht in manchen Stunden in der Therapie in einem Whirlpool oder bei therapeutischen Unternehmungen vergessen, doch was geschieht danach?

Ein neuer Job, die Rettung der Familie, also eine völlig neue Lebensgrundlage sind zu suchen. Gelingt das nicht, ist der Erfolg der Therapie in Gefahr. Hier ist Hilfe unbedingt nötig, doch haben die Süchtigen durch ihre Erkrankung meist alle Menschen, die ihnen noch Halt geben können, aus ihrem Umfeld vergrault. Auch über die Wohnungssuche nach der Entziehungskur müssen sich die Patienten in Therapie Gedanken machen.

Unterschiedliche Suchterkrankungen, verschiedene Therapien

Dass ein schwer drogensüchtiger Mensch oder ein Alkoholiker nicht ohne einen stationären Aufenthalt in einer Entzugsklinik auskommen können, weiß man schon durch viele Prominente, die – von den Medien verfolgt – diesen Weg sehr oft gehen. Was aber, wenn die Süchtigen nicht nach Drogen oder Medikamenten gieren, sondern zum Beispiel eine Kaufsucht zum Problem haben? Kann es hier nicht einfach helfen, den Geldhahn zuzudrehen? Gibt in einer Ehe der Mann alles verfügbare Geld aus, um an einer Gebrauchtwagenbörse immer schnellere Autos und immer teurere Zubehörteile für seinen Wagen zu kaufen, kann auch dies eine Sucht sein. Es reicht jedoch nicht, diesem Mann jegliche Verfügungsgewalt über Geld, Konto und andere Bezahlungsmöglichkeiten zu nehmen: Er wird versuchen, heimlich seiner Sucht nachkommen zu können. Er braucht eine Therapie, die auch hier nur in manchen Fällen ambulant durchgeführt werden kann. Der klare Schnitt zwischen altem und neuem Leben, zwischen Sucht und normalem Dasein kann hier die Ehe retten, das finanzielle Aus verhindern.

Auch dem Computersüchtigen einfach das Internet zu kappen oder den PC wegzunehmen, vor dem er sein Leben fristet, kann schiefgehen. Womöglich sucht sich dieser nach seinem Gaming PC und den Spielen süchtige Mensch eine Ausweichmöglichkeit und landet im Drogensumpf oder Alkoholismus – oder aber er wird depressiv beziehungsweise aggressiv und findet sich nicht mehr zurecht. Eine schrittweise Entwöhnung geht hier nicht – hier braucht es wiederum kompetente Hilfe von Psychologen, eine Neuorientierung im Leben und Unterstützung bei einem vielleicht später wieder sinnvollem Umgang mit dem Computer, zum Beispiel als Arbeitsgerät.

Dieser Aspekt ist übrigens der schwierigste: Der Glücksspieler muss sich vom Spielautomaten, Poker- oder Roulette-Tisch fernhalten. Der Drogensüchtige kann nie wieder Medikamente einnehmen, ohne seinen Arzt zu fragen und für den Alkoholiker ist schon eine Weinsoße ein Problem. Dies alles sind Dinge, auf die gut und gerne für ein normales Leben verzichtet werden kann. Der Süchtige, der als Suchtmittel einen Chat, ein PC Game oder die Online Shops im WWW „gewählt“ hat, muss eventuell auf den PC – heute normaler Alltags- und Arbeitsgegenstand – verzichten, um nicht rückfällig zu werden. Nach einer besiegten Kaufsucht kann der Betroffene aber auch nicht ein Leben lang auf das Einkaufen verzichten. Er muss genau, wie jeder andere Mensch irgendwann Lebensmittel und Kleidung einkaufen, ein Schlafzimmer einrichten oder ein neues Auto anschaffen. Doch hier kann der gezielte Umgang mit Geld neu erlernt werden.

Das Leben nach der Sucht

Je nachdem, um welche Suchterkrankung es sich handelt, hat der ehemalige Süchtige auch nach einem erfolgreichen Entzug einige dauerhafte Veränderungen im Leben zu erwarten. Alkoholismus ist das beste Beispiel dafür, welche schlimmen Folgen die Sucht nach einem scheinbar so harmlosen Genussmittel für die Gesundheit haben kann. Leberschäden, aber auch Störungen in der Durchblutung können die medizinische Konsequenz sein. Da muss dann plötzlich auf gesunde Füße und optimale Schuhe geachtet werden, weil die Füße durch schlechte Durchblutung als Folge jahrelangen Alkoholabusus einfach in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dass beim Kochen und Essen, vor allem außer Haus, besondere Vorsicht gilt und einige Jahre vergehen werden, bis problemlos anderen Menschen beim Zuprosten mit Alkoholika zugesehen werden kann, ist allgemein bekannt. Noch lange nach dem erfolgreichen Entzug sind die trockenen Alkoholiker in Selbsthilfegruppen unterwegs und müssen sich – wie auch ein Ex-Raucher – besonders beherrschen, um nicht rückfällig zu werden.

Wie schon erwähnt, geht es bei der Bewältigung eines Suchtproblems nicht selten darum, eine neue Perspektive im Leben zu schaffen. Die vielen Monate oder Jahre, die man seine Sucht zu verbergen suchte, sind vorbei, aber die Lebenssituation kann auch sehr schwierig sein. Einerseits Erleichterung, andererseits aber auch neue Probleme werden sich ergeben. Sicher muss sich eine medikamentenabhängige Dame nun nicht mehr besonders auf ihr perfektes Äußeres, zum Beispiel mit einem Dirndl, achten, damit ihre Sucht nicht auffällt. Doch hat sie vielleicht auch nun gar keine Möglichkeit mehr, sich auf Anlässen sehen zu lassen, wo es darauf ankommt, weil das soziale Umfeld, in dem sie noch als längst Suchtkranke zu Hause war, zerbrochen und nicht mehr zugänglich ist. Ein neuer Arbeitsplatz, eine neue Beziehung, die Rettung des Verhältnisses zur alten Familie, vor allem zu den Kindern: All das verlangt über einen langen Zeitraum sehr viel Kraft.